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Deepfakes erkennen: gefälschte Videos im Netz entlarven

Wie du Deepfakes in Videos auf YouTube, Instagram und Facebook erkennst: die Warnzeichen, der Quellen-Check und was bei Anrufen mit gefälschter Stimme hilft.

Deepfakes, also täuschend echte KI-Fälschungen, begegnen dir im Alltag meist als Video im Feed: ein Promi, der für ein dubioses Investment wirbt, eine bekannte Stimme, die etwas sagt, das sie nie gesagt hat, eine angebliche Nachricht, die sich rasend verbreitet. Das Tückische daran: Mit bloßem Auge erkennen wir Fälschungen kaum besser als beim Raten. Laut einer Bitkom-Umfrage liegen Menschen bei Deepfake-Videos nur in 24 bis 67 Prozent der Fälle richtig. Worauf es ankommt, zeige ich dir hier, zuerst beim Video im Feed und danach am Telefon.

Schnell-Überblick
  • Video im Feed: erst die Quelle prüfen, dann auf Licht, Mund, Hände und Bildränder achten
  • Im Zweifel nicht glauben und nicht weiterleiten
  • Anruf mit vertrauter Stimme: auflegen und über die gespeicherte Nummer zurückrufen, dazu ein Codewort
  • Erkenner-Apps sind ein Hinweis, kein Beweis

Wo dir Deepfakes wirklich begegnen

Drei Maschen tauchen im Alltag besonders oft auf:

Promi-Investment. Ein bekanntes Gesicht aus Fernsehen oder Wirtschaft wirbt scheinbar für eine Krypto- oder Investmentplattform, meist als Werbeanzeige auf Facebook oder Instagram. Beliebt sind erfundene „Höhle der Löwen”-Erfolgsgeschichten. Versprochen werden schnelle, sichere Gewinne, am Ende ist das Geld weg.

Politik und Fake-News. Manipulierte Clips lassen Personen des öffentlichen Lebens Dinge sagen, die sie nie gesagt haben, oder es kursieren komplette Fake-Anrufe. Bekannt wurden etwa das KI-Bild des Papstes in weißer Daunenjacke und ein gefälschter Videoanruf eines vermeintlichen Vitali Klitschko bei mehreren europäischen Bürgermeistern.

Erpressung mit montierten Gesichtern. Hier wird das Gesicht einer realen Person in kompromittierendes Material gesetzt, um Geld oder weitere Aufnahmen zu fordern. Das trifft zunehmend auch Jugendliche. Wichtig ist hier: nicht zahlen, Beweise sichern und Anzeige erstatten.

Deepfake-Videos im Feed erkennen

Die meisten Fälschungen treffen dich als fertigen Clip, bei dem du nichts nachfragen kannst. Und die Masse ist riesig: Einer Auswertung zufolge ist inzwischen jedes dritte YouTube-Video, das neuen Nutzern vorgeschlagen wird, billig per KI erzeugt. Selbst der Instagram-Chef warnt, dass wir unseren Augen bald nicht mehr trauen können. Genau deshalb zählt der prüfende Blick und der beginnt nicht beim Bild, sondern bei der Quelle. Wer hat das gepostet? Gibt es denselben Clip bei einer seriösen Quelle? Eine kurze Rückwärtssuche nach einem Standbild hilft oft weiter. Im Zweifel gilt: nicht weiterleiten, bevor das geklärt ist. Geteilte Fakes sind die halbe Miete für die Betrüger.

Wenn du genauer hinsiehst, nennen Forensiker des Fraunhofer-Instituts und aus der Praxis eine Reihe von Merkmalen, die du mit eigenen Augen prüfen kannst:

Licht und Schatten. Fallen alle Schatten aus derselben Richtung? Bei einer Außenaufnahme mit einer Lichtquelle sollten gedachte Linien von den Schatten zu einem gemeinsamen Punkt zusammenlaufen. Tun sie das nicht, ist das ein starkes Warnzeichen.

Mund und Ton. Hörst du eine Stimme, während der Mund kaum dazu passt? Achte auf eine unsaubere Lippenbewegung und auf Artefakte rund um den Mund.

Hände und Übergänge. Sechs Finger, ein Gegenstand, der mit der Hand verschmilzt oder über ihr schwebt, eine zu glatte Haut oder Hauttöne von Gesicht und Hals, die nicht zusammenpassen.

Die Ränder, nicht die Mitte. Viele Modelle rechnen die zentrale Person sauber, vernachlässigen aber das Drumherum. Schau bewusst an den Bildrand.

Am schwierigsten zu entlarven ist eine einzelne Person vor diffusem Hintergrund. Und die Technik wird so schnell besser, dass das Erkennen am Detail bald kaum noch reicht. Umso wichtiger bleiben Quellenprüfung und gesunde Skepsis, gerade bei Videos, die starke Gefühle wecken oder zu schnellem Handeln drängen.

KI gegen KI und der Echtheitsstempel

Es gibt Erkennungs-Tools, die einem Bild einen Wert von 0 (echt) bis 100 (gefälscht) geben. Nützlich als Hinweis, aber mit Vorsicht: Sie sind oft eine Blackbox, liefern keine nachvollziehbare Begründung und hinken der Entwicklung hinterher. Mittelfristig setzt die Branche eher auf das Gegenteil, auf einen digitalen Echtheitsnachweis: kryptografische Signaturen (Content Credentials, der C2PA-Standard), die beim Aufnehmen eingebettet werden und belegen, dass ein Inhalt seither unverändert ist. Eine Art Echtheits-Haken, ähnlich dem blauen Verifizierungs-Haken.

Auch die Politik zieht nach: Die EU arbeitet an einem Verbot von KI-Generatoren für Nacktbilder ohne Einwilligung und an einer früheren Kennzeichnungspflicht mit Wasserzeichen für KI-Inhalte.

Wenn dich jemand direkt anruft

Noch direkter wird es am Telefon. Für einen überzeugenden Stimmklon genügen heute wenige Minuten Tonaufnahme. Studien zeigen, dass selbst geschulte Hörer echte Stimmen kaum von Klonen unterscheiden. Das ist der moderne Enkeltrick: ein Anruf mit der vertrauten Stimme von Kind, Enkel oder Chef, dazu Zeitdruck und eine Bitte um Geld.

Dagegen hilft kein Bildtrick, sondern nur eins: auflegen und die Person über ihre dir bekannte, gespeicherte Nummer zurückrufen. Wer echt ist, hat damit kein Problem. Vereinbart außerdem ein Codewort in Familie und Betrieb, ein Wort, das fällt, wenn es wirklich ernst wird. Und verlass dich nie auf eine Nummer, die im verdächtigen Anruf selbst genannt wurde.

Seltener und eher in Firmen ist der gefälschte Videoanruf, etwa der angebliche Chef in einer Konferenz. Wenn du dort zweifelst, gibt es einen einfachen Test des Scambaiters Jim Browning, sinngemäß: »Kannst du drei Finger vor dein Gesicht halten?« Ein Live-Deepfake tauscht das Gesicht in Echtzeit aus und kommt mit so einer Verdeckung schlecht klar: Die Hand flimmert, das Gesicht bleibt unnatürlich stabil oder das Bild friert kurz ein. Ob drei Finger oder die ganze Hand spielt dabei keine große Rolle, entscheidend ist, dass etwas das Gesicht kreuzt und sich bewegt.

Schon darauf reingefallen? Die nächsten Schritte

Wenn du doch reagiert hast, zählt Tempo. Diese Reihenfolge hilft:

  1. Zahlung stoppenBei einer Überweisung oder Kartenzahlung sofort Bank oder Zahlungsdienst anrufen und die Zahlung reklamieren. Je schneller, desto eher lässt sich etwas zurückholen.
  2. Konten sichernHast du Zugangsdaten herausgegeben, ändere die Passwörter und schalte die Zwei-Faktor-Authentifizierung ein.
  3. Beweise sichernScreenshots, Links, Profilnamen und Chatverläufe speichern, nichts löschen.
  4. MeldenDen Inhalt bei der Plattform melden. Bei Erpressung nicht zahlen, das stoppt die Forderungen erfahrungsgemäß nicht.
  5. Anzeige erstattenBei der Polizei, in vielen Bundesländern auch online über die Internetwache.

Das Wichtigste in einem Satz

Glaub einem Video nicht, nur weil es echt aussieht. Prüfe die Quelle, bevor du es glaubst oder teilst, und bei einem Anruf geh den Weg über eine bekannte Nummer plus Codewort. Wenn du wissen willst, wie gut dein Umfeld insgesamt gegen solche Maschen aufgestellt ist, schau in meinen IT-Check oder melde dich, ich bin in der Region Stuttgart und auf den Fildern erreichbar.

FAQ

Woran erkenne ich ein gefälschtes Video am schnellsten?

Zuerst an der Quelle: Wer hat es gepostet und gibt es das Original anderswo seriös? Im Bild selbst verraten sich Fakes oft an inkonsistenten Schatten, an Händen und Übergängen sowie an den Bildrändern.

Soll ich ein verdächtiges Video teilen oder kommentieren?

Besser nicht. Jede Weiterleitung verbreitet den Fake. Melde ihn lieber der Plattform und teile ihn erst, wenn die Echtheit geklärt ist.

Was, wenn mich jemand mit vertrauter Stimme anruft?

Leg auf und ruf über die dir bekannte, gespeicherte Nummer zurück. Für einen Stimmklon reichen heute wenige Minuten Aufnahme. Ein vorher vereinbartes Codewort schafft zusätzlich Sicherheit.

Reicht der Drei-Finger-Trick?

Der gilt nur für Live-Videoanrufe und ist ein Schnelltest, kein Beweis. Die Modelle werden besser. Im Zweifel zählt auch hier ein Rückruf über einen bekannten Weg.

Kann ich eine App zum Erkennen nutzen?

Es gibt Erkenner, die eine Wahrscheinlichkeit ausgeben. Nimm das als Hinweis, nicht als Beweis. Sie sind oft intransparent und werden von neuen Fälschungen regelmäßig überholt.

Zusammengefasst

Nicht dem Bild glauben, sondern der Quelle

  • Video im Feed: erst die Quelle, dann Licht, Hände und Bildränder prüfen
  • Im Zweifel nicht glauben und nicht weiterleiten
  • Anruf mit bekannter Stimme: Rückruf über die gespeicherte Nummer und ein Codewort
  • Erkenner-Tools sind ein Hinweis, kein Beweis

Wer einmal grundsätzlich wissen will, wie gut das eigene Setup gegen solche Maschen und andere Alltagsrisiken steht, kann das in ein paar Minuten im IT-Check durchgehen. Und wenn ein Konto sicher stehen soll, lohnt sich die Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Zum Weiterlesen: warum inzwischen jedes dritte YouTube-Video KI-Müll ist, bei heise online, das Vorgehen von Forensikern bei it-daily und der Ein-Satz-Trick für Videoanrufe bei GameStar.

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